Dienstag, 3. August 2010

Der Campusroman

Der Campusroman (oder auch Universitätsroman) ist laut Wikipedia ein Roman, dessen Handlung hauptsächlich in und um das Gelände einer Universität angesiedelt ist.

Welche bekannten deutschsprachigen Campusromane gibt es eigentlich? Ich habe in den letzten Monaten zwei solcher Romane gelesen (und den dritten bereits angelesen). Hier eine kleine Übersicht:

Magistra von Monika Bohn



Klappentext: Eine kleine norddeutsche Universitätsstadt: Die junge Magistra Kathrin fühlt sich zu ihrem doppelt so alten Doktorvater Prof. Förster hingezogen. Die romantische Liaison wendet sich zum Unromantischen, als er seine akademische Machtstellung mit sexuellen Forderungen verknüpft. Während die Heldin ratlos zwischen Lachen und Weinen taumelt, weiß der alte Platzhirsch seinen Ruf als ehrbarer Professor geschickt zu wahren.

Kurzbewertung: Das Buch ließt sich gut und ist auch nicht dick. Ich kann es durchaus empfehlen, auch wenn die Handlung hier und da etwas vorhersehbar ist. (3 von 5 Punkten (XXX__)


Nur die Stärksten überleben von Helene Uri



Klappentext: Pål Bentzen ist ein glücklicher Mann: Er hat sich eine Forschungsstelle am renommierten Institut für Sprachwissenschaft erkämpft und mit seiner ehrgeizigen Kollegin Nanna eine verheißungsvolle Affäre begonnen. Nanna arbeitet an einem vielversprechenden Projekt, und Pål unterstützt sie nach Kräften. Dass sie in der Öffentlichkeit über ihre Beziehung Stillschweigen bewahrt, stört ihn kaum. Eines Tages stößt Pål im Kopierraum auf einen Text der angesehenen Professorin Edith Rinkel. Vieles darin kommt ihm irgendwie bekannt vor. Hat die Professorin ihre Thesen womöglich aus Nannas Arbeit gestohlen? Helene Uris Campusroman entlarvt die dunklen Seiten der nicht immer ganz so hehren Welt der Wissenschaft und erzählt dabei vom Kampf zweier ungewöhnlichen Rivalinnen.

Kurzbewertung: Ein sehr spannendes Buch (428 Seiten). Nicht die gesamte Handlung spielt an der norwegischen Universität (und dort meist im Institut für futuristische Linguistik), sondern auch auf Reisen (etwa zu Kongressen), was ich persönlich sehr gut finde. Dieses Buch hat alles, was ein Campusroman braucht. 4,5 von 5 Punkten (XXXXx)

Der Campus von Dietrich Schwanitz



Klappentext: Hanno Hackmann ist Professor für Kultursoziologie an der Universität Hamburg. Er gilt als kompetent und integer. Einzig sein Verhältnis zu der Studentin Barbara Clauditz, genannt Babsi, wird ihm immer mehr zu einer Bedrohung. Kurzerhand entschließt er sich, ihr den Laufpaß zu geben. Babsi wünscht sich zum Abschied, nur noch ein einziges Mal mit ihm in seinem Arbeitszimmer schlafen zu dürfen. Hackmann läßt sich nicht zweimal bitten. Zur Freude der gaffenden Bauarbeiter, die mit Beifall skandieren.

Wie der Zufall es will, übernimmt Babsi die Rolle einer von einem Professor vergewaltigten Studentin in einer universitären Theateraufführung und bricht dort zusammen. Um ihrer Schauspielkarriere einen Schub zu geben, behauptet sie, tatsächlich von einem Hochschullehrer vergewaltigt worden zu sein. Eine Lawine von Nachforschungen, Intrigen, falschen Behauptungen und Bestechungen wird ausgelöst, die nicht mehr zu stoppen ist. Auf Hanno Hackmann, der als hoffnungsvoller Kandidat als Universitätspräsident galt, wird eine regelrechte Hexenjagd veranstaltet. Da Babsi bei ihm ihre Diplomarbeit schreiben wollte, gerät er bald in Verdacht.


Kurzbewertung: Das Buch hatte ich tatsächlich für 1 ct bei Amazon gebraucht bestellt (+Versand natürlich), angelesen, in Kassel im Bahnhofsschließfach vergessen, neu gekauft (wieder bei Amazon, wieder gebraucht, wieder für 1 ct) und nun endlich durchgelesen. Die Beschreibung der Machtkämpfe innerhalb der Universität und die Problematik, in der sich Prof. Hackmann befindet, sind einfach großartig beschrieben. 5 von 5 Punkte (XXXXX)

Der Karpfenteich von Carl-W. Voss



Dieses Buch habe ich noch gar nicht in die Finger bekommen, daher hier nur der Text von Amazon: Anhand einer Geschichte zwischen Mann und Frau, die so oder ähnlich auch außerhalb einer Universität stattfinden könnte, werden Tricks, Taktiken und Skandale geschildert, die nur allzu typisch sind für die Innenwelt mancher deutschen Hochschule. Einiges ist direkt, vieles nur indirekt mit der zentralen Handlung - einer Vergewaltigung und dem Versuch der Schadensbegrenzung - verbunden und kann daher weitgehend Allgemeingültigkeit beanspruchen. Ein Insider, subtiler Kenner der Hochschulszene und ihrer Repräsentanten - des sogenannten Karpfenteichs - wandelt Erfahrung in Fiktion und gibt doch authentisches Zeugnis einer Welt, die sich sonst nicht so einfach in die Karten blicken lässt. Seine eigentlichen Helden sind Frauen - keine davon in leitender Position, und keine im Professorenamt.

Die Intrige von Dorothee Nolte (habe nicht gelesen, nur gefunden)



Beschreibung von Amazon: Wenn doch alle Seminare so lebensnah wären wie das von Professor Knospe. Allen Teilnehmern des Intrige-Seminars an der Berliner Humboldt-Universität wird klar, daß dies ihr Leben verändern wird. Mit spielerischer Leichtigkeit und frechem Witz schickt Dorothee Nolte eine Gruppe Berliner Studenten auf eine Reise, bei der Dichtung und Wahrheit in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Der Schatten der Ideen von Klaus Modick (nicht gelesen, nur bei Amazon gefunden)



Beschreibung von Amazon: Zwei Menschen, zwei Jahrhunderte, zwei deutsche Schicksale in Amerika. Ein eminent spannender, hellsichtiger und zeitloser Roman über Faszination und Widersprüche eines Landes, das sich seiner selbst nie sicher ist.

1935: Der deutsche Historiker Julius Steinberg flüchtet wegen seiner jüdischen Herkunft aus Nazideutschland in die USA. Nach einer dramatischen Odyssee durchs Elend des Exils findet er sein privates und berufliches Glück als Professor am Vermonter Centerville College. Doch als er unverschuldet in die Mühlen von McCarthys Hexenjagd auf Kommunisten gerät, wird Steinbergs amerikanischer Traum zum Albtraum. Ein halbes Jahrhundert später, im Jahr des Irak-Kriegs, kommt der Schriftsteller Moritz Carlsen als Writer in Residence ans Centerville College, um dort ein halbes Jahr lang zu unterrichten. Die Arbeitsbedingungen sind gut, das Salär angemessen, und der allgegenwärtige Patriotismus, mit dem die Amerikaner ihre Truppen im Irak unterstützen, scheint in Centerville nur eine lästige Pflichtübung zu sein. Doch dann stößt Carlsen durch Zufall auf Briefe und nachgelassene Aufzeichnungen Julius Steinbergs — geschrieben im Gefängnis. Anfangs nur neugierig, recherchiert Carlsen den abenteuerlichen Lebensweg des vor 50 Jahren emigrierten Historikers und kommt einem dunklen Geheimnis auf die Spur. In der von Misstrauen und Hysterie geprägten Gegenwart macht er die bittere Erfahrung, dass die Geschichte sich wiederholt. Denn Carlsen bringt einen Mann und verstörende Ereignisse ans Licht, an die sich in Centerville niemand erinnern will ...

Weitere Campusromane

Es gibt noch eine Reihe weiterer deutschsprachiger Campusromane (und natürlich auch englischsprachiger, aber bis zu diesen bin ich noch nicht gekommen). Hier eine Liste, die ich aus der Dissertation von Victoria Stachowicz (im obig genannten Wikipedia-Eintrag verlinkt, S. 244) entnommen habe:

Bodenstein, Eckhard: Das Ernie-Prinzip. Ein Campusroman, Frankfurt a.M.: Eichborn 1999
Dorn, Thea: Berliner Aufklärung, Berlin: Rotbuch 1996
Heichen, Walter: Die Stiefkinder der alma mater. Roman aus einer Universitätsstadt, Dresden: Gustav Herrlich 1905
Hüfner, Stefan: Der Physiker und sein Experiment. Aus dem Leben eines außerordentlichen Professors, Konstanz: Universitätsverlag 1988
Kinder, Hermann: Vom Schweinemut der Zeit, Zürich: Diogenes 1980
Nolte, Dorothee: Die Intrige. Ein Campus-Roman, Berlin: Argon 1998
Schmickl, Gerald: Alles, was der Fall ist, Wien: Deuticke 1994
Schwanitz, Dietrich: Der Campus, Frankfurt a.M.: Eichborn 1995
Schwanitz, Dietrich: Der Zirkel. Eine romantische Komödie, Frankfurt a.M.: Eichborn 1998
Spitzer, Hartwig: Elfenbeinturm. Roman einer Universität, Frankfurt a.M.: R. Fischer 1993
Stengl, Britta: Stiftlingen. Ein Universitätsroman, Tübingen: Klöpfer und Meyer 1997
Tholpek, Hans: Der frühe Rückzug. Ein Hochschulroman, Trier: Wissenschaftlicher Verlag 1987
Trudt, Heiner: Bockenheimer Bouillabaisse. Ein Uni-Krimi, Frankfurt a.M.: Eichborn 1997
Wierichs, Peter: Professoren sterben selten leise, Mühlheim: Graf von Westarp 1986
Zeller, Michael: Follens Erbe. Eine deutsche Geschichte, München: dtv 1990

Und nun viel Spaß beim Lesen!

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