Im Studium steht man oft vor der Situation etwas lernen zu müssen, mit dem man sich nicht im entferntesten befassen möchte, dabei lernt man oft erst später, wie nützlich der jeweilige Stoff doch seien kann -- ein Beispiel aus meinem Studium:
In meinem ersten Studium musste ich mich der UML (der Unified Modeling Language) beschäftigen. Ich hielt UML für eine Methode, völlig stupiden Programmieren zu zeigen, was sie tun sollen. Schließlich konnte ich auch ohne diese doofe UML den Kernelcode von OpenBSD und die Systemprogramme von Linux verstehen. Ich war der Meinung -- sollte ich einmal Software-Projekte leiten --, zu schlechte Programmierer einfach nicht in das Projekt aufzunehmen (sofern möglich), sondern nur Freaks und Halbgurus. Das Resultat meiner konsequenten Haltung war eine 4,0 im entsprechenden Fach, die mir mein Diplomzeugnis später als einzige so schlechte Note versauen sollte.
Einige Semester später, noch im selben Studium, musste ich mich dann deutlich intensiver mit UML und Co. befassen, was mir deutlich besser gelang, da meine innere Akzeptanz des Themas bereits größer war. Auch im 1. Semester meines Masterstudiums in Augsburg habe ich mich nochmals mit UML, BPML und Co. befassen müssen, dieses Mal deutlich intensiver als zuvor, und so langsam aber sicher konnte ich im Laufe des Semesters meine Abneigung gegenüber UML ganz beseitigen. Tatsächlich sehe ich UML nun als ein nützliches Werkzeug zur Modellierung von Geschäftsprozessen.
Ganz ähnliches verhielt es sich bei mir mit der Mathematik, die gehasste Mathematik, die so unnütz und schwierig schien, die im Laufe der Zeit aber interessanter wurde. Ich bin nach wie vor nicht sonderlich gut in der Mathematik, doch dank einiger Erfolgserlebnisse in den letzten zehn Semestern, steigt mein Interesse an der Mathematik in einigen Teilbereichen (besonders für die Algebra, mit der ich mich wohl am intensivsten auseinandersetzen musste) nun doch an.
Mir scheint: Das Interesse an einem Thema steigt mit zunehmender Auseinandersetzung mit diesem Thema. Das würde also heißen: Je mehr Details man kennt und erkennt und je mehr man über ein Thema weiß, desto größer wird das Interesse an diesem Thema. Doch stimmt das tatsächlich? Einige Themen, die mich einfach gar nicht interessierten, obwohl ich jahrelang mit diesen gequält worden bin, werde ich wohl niemals interessant finden.
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