Ein Abitur (allgemeine Hochschulreife) wird nicht immer für ein Studium benötigt. Zum einen hängt die notwendige Voraussetzung vom Bundesland ab, zum anderen vom gewählten Hochschultyp.
In Hessen ist es beispielsweise möglich, ohne Abitur an einer Universität (etwa Kassel) zu studieren, während dies in den meisten anderen Bundesländern nicht möglich ist. Notwendig ist dann allerdings eine mehrjährige Berufserfahrung und eventuell eine Zusatzprüfung zum Nachweis einer guten Allgemeinbildung. Speziell in künstlerischen Studiengängen können besonders begabte Schüler auch ohne Abitur aufgenommen werden.
Berufsakademie ("duales Studium"), Hochschule und Universität
Es ist dabei zu unterscheiden, ob man an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (früher "Fachhochschule"), einer Berufsakademie oder einer Universität studieren möchte.
Eine Berufsakademie ist ein Zwischengebilde zwischen normaler Berufsausbildung und einem Studium. Die Hälfte eines Berufsakademie-Studiums (auch "Duales Studium" genannt) absolviert man als studentischer Mitarbeiter in einem Unternehmen und die andere Hälfte an einer Hochschule oder Berufsakademie. Die Studiendauer beträgt im Normalfall 6 Semester. Ein klarer Vorteil der Berufsakademie: Der Student wird von seinem Unternehmen über das gesamte Studium bezahlt.
An einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (früher "Fachhochschule") orientiert sich das Studium zwar noch immer etwas praxisnah, jedoch nimmt dies seit einiger Zeit ab und steht in keinem Vergleich zur Berufsakademie. Nach einer Gesetzesänderung zu Anfang des Jahrtausends erhielten auch Fachhochschulen einen Forschungsauftrag und entsprechend ist ein dortiges Hochschulstudium nun auch wissenschaftlich orientiert. Hochschulabsolventen werden sowohl für die Forschung, als auch für die Industrie (hier meist für leitende Positionen) ausgebildet. Zu diesem Zweck müssen Studenten fast immer ein Praxissemester absolvieren.
An einer Universität ist das Studium fast komplett wissenschaftlich ausgelegt. Zwar bilden mittlerweile auch einige Universitäten etwas praxisorientierter aus und erwarten von Studenten Praxis-Wochen in der Industrie, jedoch ist der Fokus noch stärker in Richtung Wissenschaft gelenkt, als an Hochschulen für angewandte Wissenschaften.
Die Studiendauer für Bachelor- und Masterabschlüsse sind an Universitäten und Hochschulen gleich.
Fachhochschulreife, Fachabitur und Abitur
Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten auf typischem Weg (das heißt: ohne Ausnahmewege wie längere Berufserfahrung), an einen Studienplatz zu kommen (Voraussetzung ist jeweils die Mittlere Reife):
Die fachgebundene Fachhochschulreife (Umfang: Deutsch+Mathe+Englisch neben einer Ausbildung)
Mit einer fachgebundenen Fachhochschulreife in einem Bereich (etwa Technik oder Wirtschaft) kann ein entsprechendes Fach aus dem Bereich an einer Hochschule studiert werden.
Allgemeine Fachhochschulreife (Umfang: mind. 1 Jahr Vollzeitschule + vorhergehende, mind. zweij. Berufsausbildung):
Mit der allgemeinen Fachhochschulreife kann jedes Fach an einer Hochschule studiert werden.
Fachabitur/Fachgebundene Hochschulreife (Umfang: 2 Jahre Vollzeitschule etwa an einer bayerischen Fachoberschule):
Mit dem Fachabitur kann an einer Universität/Hochschule/Berufsakademie ein Fach aus dem Bereich des Fachabiturs studiert werden.
Abitur/Allgemeine Hochschulreife (3 Jahre Vollzeitschule):
Wie bei Fachabitur nur ohne Beschränkung auf einen Bereich.
Genügt also ein Abi in jedem Fall?
Nein, denn oftmals muss ein guter Notendurchschnitt (festgesetzt durch den Numerus Clausus, kurz NC) erzielt werden (etwa für das Studium der Medizin oder Psychologie liegt er oft in der Nähe von 1,0 bis 1,2).
Hinweis zur Alternative der "normalen" Berufsausbildung: Besonders im Handwerk gibt es einen enormen Mangel an qualifizierten Bewerbern und sichere Arbeitsplätze! (Stand: Mai 2010) Nicht jeder Mensch muss unbedingt studieren und auf Grund des Fachkräftemangels auf dem Arbeitsmarkt zahlen viele Ausbildungsbetriebe über Traiflohn! Das Studium und die Karriereleiter sind nach einer Berufsausbildung übrigens keinesfalls verbaut und auch die Selbständigkeit als Unternehmer ist mit einem anschließenden Meister-Abschluss kein Problem und auch der anschließende Zugang zu einem Studium ist einfacher, als ohne Berufsausbildung/Meister (s. oben).
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